Die spinnen, die Halterner

Die spinnen ja, diese Halterner. Das mögen sich heute wahrscheinlich nur noch wenige Menschen denken. Vor rund 200 Jahren war das aber alles andere als eine Übertreibung: In Haltern am See waren jede Menge Spinner tätig. Sie sorgten dafür, dass aus der Wolle von Schaffen, aus Flachs und auch aus Brennesseln Fäden gesponnen wurden. Diese Fäden wurden dann genutzt, um daraus Kleidung herzustellen, oder aber Decken, Teppiche und Transportsäcke. 

Die Geschichtsblätter aus der Stadt Haltern am See führen zum Beispiel auf, dass es im Jahr 1806 in Haltern innerhalb der Stadtmauern 26 Wollspinner gegeben hat; 39 Personen waren in der Webergilde - die Namensliste ist gespickt mit bekannten Halterner Namen wie zum Beispiel Hagedorn, Lewe, Peikenkamp, Ridder, Bredek, Bansberg, Schrief oder Eilert. Zur gleichen Zeit gab es in Haltern zwei Färber und zudem 24 Wandmacher, die sich auf die Verarbeitung von gesponnener Wolle spezialisiert hatten. 

Dass man in Haltern so sehr auf die Herstellung von Garnen und Tüchern setzte, kam nicht von ungefähr. Schon im elften und zwölften Jahrhundert wurde das Handwerk ausgeführt; seinerzeit allerdings noch wenig arbeitsteilig als häusliche Nebenbeschäftigung in vielen Haushalten. Auf diese Weise wurde der lokale Bedarf gedeckt. Die Schafzucht in Haltern kam dann ungefähr im 14. Jahrhundert auf. Seither wurde sie zumindest im größeren Stil betrieben. Bis ins 19. Jahrhundert hinein beschäftigte man in Haltern sogar einen Stadtschäfer. Und in den Zeiten, in denen Haltern in der Hanse aktiv war, gehörte auch Wolle zu einem wichtigen Export-Gut, das aus unserer Stadt an der Lippe auf die Reise geschickt wurde. Auch zu der Zahl der Schafe werden in den Geschichtsblättern aus der Stadt Haltern am See Angaben gemacht: Im Jahr 1806 wurden innerhalb Halterns 302 Schafe gehalten, rechnet man die umliegenden Dörfer - seinerzeit waren das Holtwick, Lavesum, Sythen, Overrath und Hullern - so kommt man insgesamt auf die beachtliche Zahl von mehr als 5.300 Schafen.

Die Schafbewirtschaftung der Böden in Haltern und Umgebung wurde dann die Grundlage entzogen, als die Markenteilungen durchgeführt wurden. Zu diesem Thema gibt es einen interessanten Beitrag “ Markenteilung und Ablösung grundherrlicher Rechte” auf den Seiten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Dort heißt es zu diesem Thema: “Die ländliche Gesellschaft Westfalens, die der Landwirtschaft als der wichtigsten zeitgenössischen Nahrungsgrundlage nachging, gliederte sich in Bauern, Heuerlinge und die landlose oder landarme Schicht. Eines der Hindernisse der landwirtschaftlichen Entwicklung, das die zeitgenössische Agrarwissenschaft wahrnahm, stellten die Gemeinheiten oder Marken dar. Um 1800 belief sich der Anteil der Marken an der gesamten Bodenfläche Westfalens auf 50-65 %, um 1820 noch auf 45 %. In den älteren preußischen Gebietsteilen liefen seit 1765 die Teilungen der Gemeinheiten an. In der Grafschaft Mark waren sie bis 1800 zu vier Fünfteln, in der Grafschaft Ravensberg zu zwei Dritteln privatisiert. In Tecklenburg-Lingen und Lippe blieben die Teilungsbemühungen bis zu diesem Zeitpunkt ohne, im Münsterland von geringem Erfolg.”

Man darf also davon ausgehen, dass der Erfolg dieser Markenteilung auch in Haltern zunächst von geringem Erfolg gekrönt war. Im Zeitablauf folgte diese Teilung verbunden mit der Aufhebung der Leibeigenschaft jedoch. Gehörten die Heiden, in denen die Schafe weideten bis zu der Markenteilung noch dem ganzen Dorf, so wurden die Flächen im Zuge der Markenteilung  neu verteilt und einzelnen Bürgern, Bauern und Handwerkern zugewiesen. Damit endete die gemeinsame Bewirtschaftung und Nutzung der Fläche, die Schafzucht war nicht mehr so einfach möglich und endete damit bald.

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